Goliath Staffel 1 Episode 5 (S1E5): Rette deinen Arsch / Cover Your Ass

In dieser Review könnt ihr nicht nur eine Kritik von Goliath, Staffel 1, Folge 5 (S1E5), „Rette deinen Arsch“ lesen, sondern erfahrt auch einiges über den Inhalt. Daher hier ein SPOILER-Alarm zur Vorwarnung.

Einiges wird enthüllt in dieser Folge der Serie Goliath. Die Serie nimmt nun an Fahrt auf und zeigt, in welche Richtung die Figuren gehen werden. Während sich Donald in dieser Folge der Serie Goliath von einer etwas zarteren Saite zeigt, lassen zahlreiche Zeichen auf eine turbulente weitere Handlung schließen. Billy (Billy Bob Thornton) verliert einen Zeugen, nur um einen weiteren zu gewinnen. Er und Patty (Nina Arianda) stolpern buchstäblich über ein Kriegsverbrechen. Die Verbindungen von Cooperman & McBride scheinen schockierend viel weiter zu reichen, als bisher gedacht. Wer kann den Höllenritt des Donald Cooperman (William Hurt) noch stoppen? Folge 5 der Serie Goliath zeigt: Es bleibt weiter offen, aber die Schwankung dieser Offenheit wird immer weiter und gefährlicher

Monster, Rachepornos und Kriegsverbrecher: Der Inhalt

Endlich erfahren wir, wer genau der mysteriöse Mann im schwarzen Hemd (Rigo Sanchez) ist. Scheinbar ist er ein Agent der DEA, der gern auch auf der anderen Seite des Gesetzes arbeitet. Die beiden Fischer, die Billy mit dem Video von der Schiffs-Explosion versorgt hatten, wurden am Ende der letzten Folge von Goliath dank ihm als Drogenschmuggler hochgenommen. Leonard (Damon Gupton) erfährt dies in einem Gespräch mit seinem Boss Wendell Corey (Dwight Yoakam). Der klärt ihn ebenfalls darüber auf, dass der zentrale Zeuge Billys, Ned Berring (Kevin Weisman), wegen seiner psychischen Probleme keine Gefahr mehr darstellt.

 

Rette deinen Arsch

 

Billy sieht das anders und stolziert mit seinem Zeugen und Patty (Patty Solis-Papagian) in sein altes Firmengebäude. Lucy (Olivia Thirlby) leitet die Befragung, kann aber Billys Ablenkungstaktik nicht standhalten. Leonard übernimmt die Kontrolle, scheinbar allerdings in Absprache mit Donald, und übergibt Callie das Kommando. Als Callie (Mollie Parker) zum Leidwesen von lucy übernimmt, kommen unschöne Geheimnisse ans Licht: Ned hatte den Sex mit seiner Ex-Freundin gefilmt, um ihn als Rache ins Internet zu stellen. Konfrontiert mit einer möglichen Strafe muss er die Befragung abbrechen.

Mehr Glück für Billy und sein Team bringt ein Fund von Marva (Julie Brister). Dank ihres Einsatzes beim Durchsuchen der von BornsTech zur Verfügung gestellten Papiermengen haben sie nun einen zweiten Abschiedsbrief von Ryan Larson. Eine Untersuchung ergibt, dass er sich in nur einer Zeile von dem Brief unterscheidet, den Larson in seinem Haus hinterließ. Die dank Vater Anan (Gilbert Owuor) nun von Billys Argumenten überzeugte Gina Larson (Sarah Wynter) möchte mit ihrem Sohn Jason (Britain Dalton) herausfinden, wieso ihr Mann sterben musste. Ein Hinweis im Abschiedsbrief spricht von einer im Garten eingegrabenen Zeitkapsel. deren Inhalt vermutlich nicht mehr dem entspricht, was Vater und Sohn ursprünglich in ihr platzierten.

Donald muss währenddessen seinen Ruf als gruseliger Chef verteidigen und reagiert auf Lucys Beschwerden über Callies Verhalten in der Befragung mit dem Befehl, dass sie sich auf seinen Schoß setzen soll. In einem Moment ungewöhnlicher Schwäche fragt er sie, ob sie wie viele Menschen hinter seinen Brandwunden ein Monster sieht. Erschreckenderweise antwortet sie nicht mit einem schockierten „Ja“, sondern beruhigt ihn, wie eine besorgte Mutter.

Billy und Patty öffnen die ausgegrabene Zeitkapsel. Darin befindet sich ein Waffenprototyp, der von Ned als menschenrechtsverletzend und als Kriegsverbrechen eingeschätzt wird. Das ist aber nicht der einzige Fortschritt: In einem Gespräch mit Vater Anan gelingt es Billy, diesen zu einer Aussage zu bewegen. Das, obwohl Vater Anan damit das Beichtgeheimnis bricht und nie wieder als Priester arbeiten kann. Gleichzeitig meldet Wendell Corey starke Bedenken bei Donald an und kritisiert dessen geheimhalterische Arbeitsweise.

Die Wende kommt…vielleicht

Folge 5 der Serie Goliath zeigt uns, dass es trotz vieler Rückschläge nicht hoffnungslos für Billy und seine Mitstreiter ist. Donald wirkt zunehmend verzweifelter. Seine Rückschläge scheinen ihn kaum zu interessieren und er kümmert sich lieber um seine persönlichen Interessen, als den Fall. An diesem Punkt kann aber noch nicht abgesehen werden, ob diese Arroganz nicht vielleicht doch aus einem größeren Plan erwächst.

Jede Folge der Serie muss einen gruseligen Moment mit Donald haben: Er lässt die wütende Lucy wie ein kleines Kind auf seinem Schoß sitzen und spricht von seinen schlechten Erfahrungen als Brandopfer. Es ist klar, dass Donald nicht von Anfang an ein „Monster“ war. Sein verbranntes Gesicht hat ihn zu seinem Einsiedlertum und Kontrollzwang bewogen. Staffel 1, Folge 5 von Goliath zeigt uns allerdings nicht, wie genau dieses verbrannte Gesicht zustande kam. Ein Höllenfeuer wird es vermutlich nicht gewesen sein, aber möglicherweise hängen die Differenzen von Donald und Billy mit dieser Ursache zusammen.

Billy und seine Mitstreiter haben in dieser Folge von Goliath einige neue Perspektiven aufgetan. Wie diese sich in den nächsten Folgen der Serie auszahlen werden, bleibt abzuwarten. Im Gespräch mit Wendell gibt sich Donald bereits siegessicher. Möglicherweise ist ihm der Ausgang der Geschichte aber auch egal. Sicher: Er möchte Billy leiden sehen. Aber darüber hinaus scheint ihn die Sicherheit seiner Firma und sogar die Möglichkeit einer eigenen Verurteilung kaum zu interessieren. Diese Undurchschaubarkeit macht Donald trotz seiner klischeehaften Bosartigkeit so interessant und William Hurt inszeniert diese Gratwanderung überzeugend.

Ein tiefer Blick in die Psyche

Geistige Krankheiten oder psychische Besonderheiten spielen eine große Rolle in der Serie Goliath: Donald ist offensichtlich ein Soziopath, aber viele der Figuren haben eigene Beeinträchtigungen oder merkwürdige Angewohnheiten. Donald selbst meidet das Licht und klickt zwanghaft mit seinem Klicker. Lucy hat ihr Stotterproblem und dann ist da der Zeuge Ned mit seinen eigenen Problemen. darunter insbesondere seine Abneigung gegen selbstständige Frauen.

Probleme an sich bringen so gut wie alle Figuren mit sich: Brittany scheint eine Drogenvergangenheit zu haben und aus der Prostitution nicht herauszukommen. Billy schleppt seine alte Schuld mit sich herum. Während insbesondere also die „bösen“ Figuren mit spektakuläreren, auffälligeren Eigenheiten kämpfen, bringen auch die „Guten“ einigen seelischen Ballast mit. Bei Goliath handelt es sich um eine Serie, die die verschiedene Formen des Umgangs mit solchen Problemen gegenüberstellt: Einerseits die Abschottung von der Menschheit, andererseits den Versuch der Überwindung und die Heilung. Donald will die Welt brennen sehen, so wie er brennen musste. Billy will büßen, indem er für ein wenig Gerechtigkeit sorgt.

Opfer für die Gerechtigkeit

In Folge 5 von Goliath zeigt die Serie auch, inwieweit Gerechtigkeit Opfer fordern kann. Billy muss sich entscheiden, wie viele Leben er noch in den Fall hineinziehen möchte. Das große Beispiel dieser Folge ist Vater Anan. Sein moralischer Konflikt liegt darin, dass er zur Wahrheit verpflichtet ist, allerdings das heilige Beichtgeheimnis für diese brechen muss. Billy muss ihn nicht danach fragen, ob er sein Priestertum für den Fall opfert. Es ist die richtige Sache. Aber er lässt Billy wissen, dass dieser Preis auch gezahlt werden muss.

Nicht nur von Vater Anan. Auch der zugegeben alles andere als charmante Ned kommt für die Wahrheit in Goliath unter die Räder. Sein Sex-Video hat er sich selbst zuzuschreiben, aber die von Billy ins Rollen gebrachte Untersuchung brachte Cooperman & McBride dazu, es auszugraben. Die weitere Teilnahme an der Anklage ist ein persönliches Risiko für ihn. Wenn er auch nicht mehr als Zeuge zur Verfügung zu stehen scheint, so tut er seinen Teil zumindest als technischer Berater.

Auch Mitstreiter wie Brittany sind nicht ganz unschuldig daran, dass Billy noch auf den Beinen ist. Ihr eigenes Leben gerät immer mehr aus den Fugen, aber dennoch zeigt sie vollen Einsatz für den Fall. Selbiges gilt für Marva, die im Laufe der Folge kaum zu sehen ist. Trotzdem ist sie es, die Billy und Patty den entscheidenden Vorteil in der Jagd nach den Beweisen für und gegen die Schuld von BornsTech ist.

Gerechtigkeit kann Opfer fordern. Das größte Opfer in Goliath musste bisher Rachel erbringen. Vermutlich wird sie nicht die letzte in der Serie sein, die ihr Leben lässt. Staffel 1 der Serie Goliath zeigt, dass ein Kampf gegen einen wahren Goliath eben nicht ohne Verluste zu bestreiten ist. „Rette deinen Arsch“ ist ein Versprechen dafür, dass diese Opfer sich in der Serie noch vermehren werden.

Das Versprechen der Eskalation

Der Moment, als Billy und Patty Ned die in der Zeitkapsel gefundene Waffe zeigen, spricht eine klare Sprache: BornsTech ist eine Firma, die vor nichts zurückschrecken wird. Es handelt sich um Kriegsverbrecher, deren Methoden entsprechend radikal sind. So radikal, dass Ned nichts mehr mit dem Fall zu tun haben möchte. Diese radikalen Methoden haben wir in Goliath schon zu sehen bekommen. Die Serie zeigte, wie ein DEA-Agent in einem schwarzen Van eine Frau auf offener Straße vor dem Gericht niederstreckte. Ganz offensichtlich brauchen sich Cooperman & McBride und BornsTech nicht um die Feinheiten krimineller Arbeit zu sorgen.

Aber nicht nur BornsTech und Donald werden austeilen. Als Lucy nach dem merkwürdigen Schoßgespräch mit Donald eine Runde schwimmen geht, steht plötzlich der schwarzgewandete DEA-Agent am Beckenrand. Ob sie Donald nicht dazu bewegen könnte, auf seine Anrufe zu antworten. In Goliath wird es nicht nur für Billy und seine Mitstreiter unangenehm. Während der Richter Keller (Harold Perrineau) bereits ein Rückgrat aufbaut und Billy nicht mehr abweist scheint auch der bisher namentlich nicht genannte DEA-Agent nun einige offene Rechnungen mit Donald zu haben. Das könnte als positiv für Billy und seine Mitstreiter gewertet werden. So einfach läuft es in dieser Serie allerdings nicht. Druck führt nur zu mehr Druck

Das zeigt sich im Gespräch von Donald und Wendell: Letzterer ist sehr unzufrieden mit der Kommunikationspolitik von Donald. Wie schon in der gesamten Serie zuvor hatte dieser kaum ein Detail nach außen kommuniziert. Wendell spricht in einem Gespräch mit Donald endlich das aus, was der Zuschauer der Serie Goliath denkt: Was soll Donalds komisches Gehabe? Das Klicken? Das Leben im Halbdunkeln? Die Opernmusik? Das Sprechen in Rätseln? Nichtsdestotrotz weiß Wendell, dass Donald komplexe Fälle durchaus realistisch einschätzen kann. Die Panik über die Situation schwingt dennoch mit. Und so ist es kaum verwunderlich und lässt uns auf spannende weitere Folgen hoffen, wenn es heißt:

„Ich denke wir sollten jetzt zu einer wesentlich aggressiveren Konfliktlösungsmethode greifen.“
Wendell Corey, Staffel 1, Folge 4

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